Bürger, Verbraucher, Landwirte: Verteidigen wir alle zusammen die landwirtschaftliche Ausnahme

Der Agrarsektor steht einer bedeutenden Krise gegenüber, zu deren Lösung wir derzeit nur ungenügende Instrumente haben. Deshalb muss auf europäischem Niveau eine Debatte über die Notwendigkeit eröffnet werden, die Landwirtschaft auf andere Art zu unterstützen.

Heute befindet sich der Agrarsektor in Schwierigkeiten und steht folgenden Problemen gegenüber:

  • Ein sehr unbeständiger Markt, auf dem die an die Produzenten gezahlten Preise im Gegenzug zu den Verbraucherpreisen ins Bodenlose fallen;
  • Der Rückgang der Anzahl von landwirtschaftlichen Betrieben und Arbeitskräften in Belgien um fast 70% in 30 Jahren;
  • Der Anstieg von Importen landwirtschaftlicher Produkte (Soja, Mais, Zucker etc.), der die Europäische Union von Ländern abhängig macht, in denen die Qualitätsnormen für die Produktion weniger streng sind (GVO, Gesundheitskontrollen etc.);

Es sind deshalb positive Maßnahmen nötig, um eine existenzfähige landwirtschaftliche Produktion als Abbild der landwirtschaftlichen Besonderheiten, lokalen Ausdrucksformen und Kulturen zu erhalten und zu entwickeln sowie eine industrielle Standardisierung und eine Reduzierung der pflanzlichen und tierischen Vielfalt zu verhindern.

Die gemeinsame Grundlage für diese Maßnahmen muss die landwirtschaftliche Ausnahme sein.

Nach dem Vorbild der Kultur kann die Bestärkung der landwirtschaftlichen Ausnahme zu der Erkenntnis führen, dass landwirtschaftliche Produkte und Lebensmittel nicht so behandelt werden können, als ob sie ausschließlich einen kommerziellen Wert hätten.

Diese Vision der landwirtschaftlichen Zukunft muss auf nationaler und internationaler Ebene umgesetzt werden. Das ist das Ziel der Charta, die auf der Basis einer Gesamtheit von Beiträgen verfasst wurde und zu deren Unterzeichnung wir Interessierte wie politische Verantwortliche, Vertreter des Agrarsektors etc. aus Belgien oder aus dem Ausland einladen.

Auf lokaler Ebene wird dieser Kampf über einen direkt von der Charta inspirierten Antrag geführt, der in den verschiedenen kommunalen und provinziellen Versammlungen vorgelegt werden kann.

Die Lebensmittelsicherheit, das Recht auf Nahrung und der Schutz der landwirtschaftlichen Vielfalt bilden die Prioritäten.

Die Einrichtung einer landwirtschaftlichen Ausnahme ermöglicht jedem Staat, seine eigene Lebensmittel- und Landwirtschaftspolitik festzulegen und die Maßnahmen zu treffen, die er für geeignet hält, um die Lebensmittelsicherheit seiner Bevölkerung zu gewährleisten, sein Landwirtschaftsmodell zu erhalten und Ziele in Bezug auf die menschliche Entwicklung zu erreichen.

Dieser Kampf für eine landwirtschaftliche Ausnahme verfolgt ein dreifaches Ziel: die Lebensmittelsicherheit, die Bewahrung des Lebens und der Gesellschaften auf dem Land sowie den Schutz der Natur und der Artenvielfalt.

Ein Unterstützen der Landwirtschaft bedeutet, die Produzenten und Verbraucher zu unterstützen. Es ist eine Frage der demokratischen Gesundheit!